Verein

Geschicht(en) rund um unsere UNO

„Ahoi, Ahoi, Ahoi“ – so klingt es überall am Fasnachtsdienstag in Waldsees Straßen. Der große Umzug der UNO hat wieder tausende von Zuschauern in seinen Bann gezogen, und mit dem Höhepunkt der Waldseer Fasnacht neigt sich die Kampagne auch schon wieder ihrem Ende zu.

Zurück liegen zwei prächtige Bälle und sechs Prunksitzungen vor ausverkauftem Haus. Die Narren feiern nun ausgelassen dem Aschermittwoch entgegen und die UNO kann wieder stolz und zufrieden sein auf ihre Fasnacht, die sich mit großem Aufwand und dank der vielen, vielen Helfer einen Namen im nahen und weiteren Umland gemacht hat. Doch das war nicht immer so – denn aller Anfang ist bekanntlich schwer…

Bereits zu Beginn unseres Jahrhunderts wurde der Überlieferung zufolge auf den Waldseer Straßen Fasnacht gefeiert. Einfache Kostüme aus Stroh und Sackleinen dienten den jungen Männern für ihr ausgelassenes Treiben, das stets am Fasnachtsdienstag seinen Höhepunkt fand. Bereits im Jahre 1909 konnte ein organisierter Umzug durchgeführt werden; der Ausbruch des ersten Weltkrieges setzte allerdings allen närrischen Aktivitäten ein jähes Ende.

Im Jahre 1949 wurde am Stammtisch im Gasthaus „Zum Stern“ von einigen jungen Männern die Idee geboren, einen Karnevalverein zu gründen. Einen großen Erfolg konnten Sie mit ihrem ersten Umzug am Fasnachtdienstag, dem 1. Februar 1949 feiern. Ein zur Drehorgel umfunktioniertes „Hinnerkärchel“ (Pflugs Karre) und ein berittener Maulesel waren dabei die Hauptattraktionen für die vielen närrischen Zuschauer, die begeistert den Zug verfolgten. Beim anschließenden Speck- und Eieressen, bei dem die gesammelten Naturalien verzehrt wurden, wurde in fröhlicher Runde bei manchem Schoppen Wein der Karnevalverein aus der Taufe gehoben.

Die Gründungsmitglieder der UNO

Theo Claus
• Hans Denig
• Günther Eckrich
• Ignaz Eckrich
• Johannes Frombold
• Otto Groß
• Richard Knittel
• Kurt Nickola
• Paul Regenauer
• Leo Schlosser
• Bernhard Spindler
• Hans Spindler
• Karl Sternberger
• Philipp Weick
• Ernst Zinser

Von den Gründungsmitgliedern wurde Richard Knittel zum ersten provisorischen Vorsitzenden ernannt, und ihm ist auch die Namensgebung der UNO zu verdanken. Die kurze Zeit zuvor gegründeten Vereinten Nationen standen Pate bei der Taufe der Ungehobelten Narren Organisation, wie sich der Verein nun nannte. Bei der ersten Generalversammlung wurde Hans Denig zum Präsidenten gewählt und von nun an nahm die Entwicklung der Waldseer Fasnacht ihren unaufhaltsamen Lauf.

Tollitäten

Viele Prinzessinnen und einige wenige Prinzenpaare, wie auch jetzt im Jubiläumsjahr, vertraten bisher die UNO als Regenten, den Anfang aber machte der erste und letzte männliche Alleinherrscher der Waldseer Narren: Prinz Ricardo I. „von der Löwenburg“. Hinter diesem pompösen Namen verbirgt sich kein anderer als Richard Knittel, Gründungsmitglied und ab 1981 Präsident der UNO.

Von den Narren gekürt folgten jedoch fortan jedes Jahr junge Damen auf den Thron, die den Verein mit Liebreiz und Anmut vertraten. Ihnen allen verdankt der Verein sehr viel, eine von ihnen veränderte jedoch das Gemeindeleben Waldsees ganz erheblich. Durch die Regentschaft der Französin Mireille Boissinot in der Kampagne 1973/74 entwickelte sich die Partnerschaft zwischen Waldsee und Ruffec, der Heimatstadt Mireilles im Südwesten Frankreichs.

Weitere Besonderheiten:

  • Wiltrud I. war zwei Jahre nacheinander Prinzessin.
  • In den Kampagnen 1965/1966, 1980/1981 und 2003/2004 gab es ein Prinzenpaar.
  • Barbara I. war 1966/1967 nach der Prinzenpaar-Kampagne nochmals „alleinige“ Prinzessin.
  • Wegen dem Ausfall der Kampagne 1990/1991 (Golfkrieg) war Vera I. auch 1991/1992 Prinzessin.

 Umzüge

Nach der Gründung des Vereins war es hauptsächlich der Umzug, der die Fasnacht in Waldsee prägte, und bald schon konnten sich die Waldseer an über zehn geschmückten Pferdegespannen erfreuen. Eine neue Gestalt bekam der Umzug Ende der 50er Jahre, als in der Landwirtschaft die Pferde den Traktoren weichen mussten. Auch waren von nun an mehr Fußgruppen beteiligt und das Engagement der ansässigen Vereine nahm zu.

Diese Entwicklung hat sich bis heute fortgesetzt, und das bunte, schillernde Narrenspiel der UNO-Wagen, der Vereine, Privatgruppen und der Musik- und Fanfarenzüge aus nah und fern, hat sich mittlerweile zum Publikumsmagneten für das ganze Umland entwickelt.

Die Gaststätten haben in den vergangenen Jahrzehnten an Bedeutung für den Umzug verloren, da so manche Quelle für durstige Narren versiegt ist. Aber der fasnachtsbegeisterten Bevölkerung ist es zu verdanken, dass durch zahlreiche private „Tankstellen” am Wegesrand kein Narr zu Schaden kommt. Den Abschluss findet der Umzug stets in der Kulturhalle, früher mit dem Lumpenball, heute mit der sogenannten UAP, der Umzugsabschlussparty. Hier kann gefeiert werden, bis der Aschermittwoch dann die fünfte Jahreszeit um Mitternacht beendet.

Der wachsende Umfang des Umzugs erfordert natürlich viel Arbeit im Vorfeld. So verbringt der Umzugs- und Bühnenbau-Ausschuss mit mittlerweile 20 Frauen und Männern viele Stunden in der Narrhalla-Werkstatt, um die UNO-Wagen zu bauen, sowie die anderen Waldseer Vereine beim Wagenbau zu unterstützen.Auch die stetig steigenden Sicherheitsrichtlinien und die daraus entstehenden Folgen für den Wagenbau, den Zugweg und die Sicherungsmaßnahmen an der Strecke erfordern jedes Jahr aufs Neue die volle Aufmerksamkeit der Umzugbauer.

Die Einführung neuer Fertigungstechniken und das Vorhandensein einer eigenen Werkhalle machten es möglich, den Prinzessinnenwagen und den Prunkwagen des Elferrates als komplette Fahrzeuge in wochenlanger Arbeit fertig zu stellen. Darüber hinaus stellte die UNO in den letzten Jahren neben den vereinseigenen Fußgruppen und Garden weitere Fahrzeuge „auf die Räder“.

  • Das Fahrzeug an der Zugspitze „De Zug kummt“
  • Drei Motivwagen mit Themen aus dem Ort, der Region und der großen Politik
  • Der Prunkwagen der Prinzessin
  • Der Prunkwagen der Elferräte
  • Und ganz zum Schluss die schon allseits bekannte Zugend(t)e

Prunksitzungen

Die heute so beliebten Prunksitzungen kamen beim KV UNO erst etwas später ins Programm. Im Jahre 1954 konnte zum ersten Mal eine mit einfachen Hilfsmitteln gestaltete kleine Prunksitzung im Gasthaus „Zum Stern“ verwirklicht werden, was unter anderem der Unterstützung der Narrenabteilung des AGV Frohsinn zu verdanken war. Die Prunksitzung der UNO fand über die Jahre hinweg immer mehr Interesse bei der Bevölkerung und musste aus Platzgründen zunächst in den „Engel“ und schließlich in den „Grünen Baum“ verlagert werden. Im Jahr 1969 wechselte die Prunksitzung ihren Veranstaltungsort in den „Löwen“, wo zum ersten Mal, zur Freude der älteren Mitbürger, eine Seniorensitzung angeboten wurde.

Im Jahre 1972 wurde die ehemalige Schulturnhalle zur guten Stube Waldsees, der Kulturhalle, umgebaut. Erstmals fanden 300 Zuschauer in einem Saal Platz und die Prunksitzungen bekamen ihren passenden Rahmen.

Im Laufe der Zeit erreichten die Prunksitzungen ein zunehmend hohes Niveau, was sich natürlich auch an den Besucherzahlen bemerkbar machte. Die Folge war ein ständig steigender Andrang auf die Eintrittskarten und die Anzahl der Prunksitzungen erhöhte sich nach und nach. In den 90erJahren wurde das Angebot nun auf fünf Abendsitzungen und eine Prunksitzung am Sonntagnachmittag erweitert. So sehen heute in jeder Kampagne fast 2000 Zuschauer das Programm der Sitzungen und die Kulturhalle ist zu jedem Termin bis auf den letzten Platz besetzt.

  • Büttenredner

Die Prunksitzung lebt von den vielen, vielen Akteuren, die als Tänzer, Redner oder Sänger stets kostenlos bei der UNO auftreten. Einer davon hat wie kein anderer die Prunksitzung mit geprägt: Fritz Effler. Schon früh als Büttenredner zog er alle Register seines Könnens, ob Witze reißend als „Blumepeter“ (zusammen mit Dieter Lutz als „Meesehannes“) oder als lokalpolitischer Berichterstatter in der Rolle des „Bürobote Schlewwerschnut“. Ebenso der „Ortsbüttel“ oder sein Mitwirken in der Spielgruppe bleiben unvergessen und waren über 33 Jahre stets Höhepunkte der Sitzung. Für seine vielfältigen Verdienste um die Fasnacht erhielt er im September 2003 verdientermaßen die Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz.

Bei der großen Zahl der Büttenredner, die jemals bei der UNO in der Bütt standen, können hier natürlich nicht alle namentlich genannt werden. Nur einige seien aufgeführt, die schon lange nicht mehr auf der Bühne stehen, wie Richard Knittel, Heinz Stranz, Paul Zimmermann, die »Doof Nuss« Werner Bleifeld oder die Spielgruppe, die mit vielen Talenten die Zuschauer zu begeistern wusste. Aber auch die heutigen Büttenredner sind schon seit vielen Jahren nicht mehr wegzudenken, wie Rainer Sattel, Oliver Hahn, Holger Spindler, Fred Rennholz, Henny Schnaubelt oder „Frau Blumestengel“ Heidi Schmitt.

Der jährliche Auftritt von Musik- und Gesangsgruppen ist schon zur Tradition bei der UNO geworden, wobei stets örtliche Themen mit viel Lokalkolorit aufs Tablett kommen.

Das erste Waldseer Duo, die »Bänkelsänger«, trat bereits in den Anfangsjahren der Prunksitzungen auf und begeisterte, wenn auch in veränderter Besetzung, das Publikum bis zur Kampagne 1987/88. Die »Singenden Kegelbrüder«, die erste große Gesangsgruppe der UNO, stellten sich erstmals 1974 vor und brachten Stimmung in den Saal, genauso wie sechs Jahre später ihre Nachfolger, die »Feierowendsänger«. Seit 1985 schließlich, präsentieren jedes Jahr die »Häffelgucker« ihre Mischung aus Gesang und Show, die den glanzvollen Abschluss der Prunksitzungen bildet und das Publikum noch einmal richtig in Schwung bringt.

Seit den Prunksitzungen im Jahre 2008 bringt die UNO-eigene Guggemusikgruppe der »Waldsemer Gasserassler« das Publikum mit viel Schwung und fetziger Musik in die zweite Halbzeit der Prunksitzungen.

  • Tanzgruppen

Bei den Tanzgruppen ist als erstes die Garde des Vereins zu nennen, die 1969 unter der Leitung von Helene Stauch ins Leben gerufen und später über viele Jahre von Gertrud und Willi Sattel betreut wurde. Bereits sieben Jahre später wurden die Jugend- und die Kindergarde gegründet. Elf Jahre lang konnte der Verein auch auf sein Tanzmariechen Ina Schotthöfer stolz sein, die im Jahr 2002 als Ina I. den UNO-Thron bestieg. Ihr folgten dann Evelyn Keßler, die als Evelyn I. in der Kampagne 2012/2013 den UNO-Thron bestieg und danach Natalie Keßler. Über einige Jahre hinweg konnte die UNO auch ein Tanzpaar vorweisen, das schon bei seinem ersten Auftritt vor dem UNO-Publikum für Furore sorgte.

Tanzgruppen ganz anderer Art waren ebenfalls 1969 zum ersten Mal zu sehen. Das Männerballett und ebenso das Hausfrauenballett ernteten wahre Lachsalven und ließen kein Auge trocken. Das Männerballett hat sich, wenn auch in völlig neuer Besetzung, bis heute im Programm gehalten und hat noch immer die Lacher auf seiner Seite. 1984 fanden sich zwölf ehemalige Prinzessinnen zusammen und gründeten unter dem Namen „Langgassbobbe“ die erste Showtanzgruppe, die viele Jahre lang mit einem neuen Tanz das Publikum verzauberte. Weitere Tanzgruppen bildeten sich im Lauf der Zeit, so kann das Publikum schon seit einigen Jahren die „Närrische Reeblais“ und die „Dappdrei“ auf der Bühne bewundern. Eine Tanzshow der anderen Art bietet alljährlich die Gruppe „x-treme“, deren Namen auch Programm ist.

Bälle

Die Maskenbälle waren die eigentlichen Ereignisse der Saalfasnacht in den Jahren nach dem Krieg, aber leider verlor diese Art von Bällen mit der Zeit ihren Reiz. Selbst die UNO kam vor einigen Jahren von ihrem traditionellen Maskenball am Fasnachtsamstag ab, und auch die anderen Vereine gaben diese Form des Faschingsballs bald auf. Die anderen Bälle der UNO gewannen dagegen immer mehr an Bedeutung.

Bei der Eröffnung der Kampagne um den 11.11. und der damit verbundenen Inthronisierung erleben die Zuschauer jedes Jahr in einer neuen Zeremonie die Übergabe von Krone und Zepter. Dieser bewegende Moment bleibt wohl für alle neuen als auch für die scheidenden Prinzessinnen ein unvergessliches Ereignis.

Anfang Januar kommen jedes Jahr viele Besucher in die festlich geschmückte Kulturhalle zum Ball der Prinzessin. Etliche Vertreter von Vereinen und aus der Politik erweisen dabei der neuen Prinzessin die Ehre und holen sich den Orden und ein Küsschen ab. Auch befreundete Karnevalvereine sind dabei stets zu Gast und bringen mit ihren Tanzmariechen und Garden Farbe und Stimmung auf die Bühne. Für die richtige Musik und gute Laune sorgen seit vielen Jahren ausgezeichnete Tanzkapellen die den Ballgästen bis nach Mitternacht so richtig einheizen.

Bei der Vielzahl der Saalveranstaltungen werden natürlich viele fleißige Hände benötigt, um die Halle in einen Tempel der guten Laune und Stimmung zu verwandeln und die Gäste hervorragend zu bewirten. Dies liegt seit einigen Jahren schon in den bewährten Händen von Thomas Schotthöfer und seinen vielen Helferinnen und Helfern. Die Leute des Umzugs- und Bühnenbau-Ausschusses unter der Leitung von Matthias Erbach verwandeln die Kulturhalle jedes Mal wieder neu mit viel Phantasie und Können in einen prachtvollen Ballsaal und bei der Ausgestaltung der Bühne scheinen sie sich jedes Mal selbst zu übertreffen. Den Programmablauf und die Organisation übernimmt Rainer Sattel mit seinem Vergnügungsausschuss, dem keine Herausforderung zu groß ist, um wieder eine gelungene Veranstaltung auf die Beine zu stellen. 

Schlüsselübergabe

Um der Prinzessin den nötigen Respekt als Oberhaupt der Waldseer Narren zu verschaffen, fordert die närrische Truppe der UNO, angeführt durch die Prinzessin und den Oberen der UNO, alljährlich die Herausgabe des Rathaussschlüssels von unserem Bürgermeister. Dieser symbolisiert nämlich die Herrschaft der Narren über die Gemeinde und die Verwaltung bis zum Aschermittwoch. Als Zeichen der Eroberung und der Herrschaft der Narren befindet sich bis zum Aschermittwoch auf der Stehle vor dem Eingang zum Rathaus das Symbol und Wappen der Waldseer Narren. Die Angestellten der Verwaltung und die Damen und Herren Gemeinderäte müssen sich in dieser Zeit an einige neue Gesetze halten, die von der Prinzessin anlässlich der Übernahme des Rathausschlüssels erlassen werden. Ob sich die Beamten auch daran halten, überprüft die Prinzessin dann am »Schmutzigen Donnerstag« mit einer Stippvisite im Rathaus und lässt es sich nicht nehmen, den Gemeindevätern ihre Krawatten zu kürzen.